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mein letzter Reisebericht kommt aus München, wo wir gestern gut angekommen sind. Das war auch zu erwarten, denn wir wurden am Flughafen in Tel Aviv so gründlich durchsucht, dass sie auch den ausgebufftesten Terroristen gefunden hätten!
Aber der Reihe nach: Am Freitag nahmen viele von uns an einer Demonstration in Bi'lin teil. Hier, nördlich von Ramallah, wird seit Februar 2005 nach jedem Freitagsgebet gegen die dort in Bau befindliche Mauer demonstriert.
Am Versammlungsort im Dorf herrschte ein ähnliches Treiben wie bei unseren Demos, vielleicht etwas bunter: Viele junge Leute, Israelis, Palästinenser, Menschen aus der ganzen Welt, sogar ein buddhistischer Mönch mit seinem Tamburin.
Fernsehkameras, Palästinenserfahnen, Poster, Pfeifen, herzliche Begrüßungen. Mitten drin ein schmaler weißhaariger Herr: Uri Avneri, Mitbegründer der israelischen Friedensbewegung Gush Shalom, und Arik Ashermann, Präsident der Rabbiner für Menschenrechte.
An der Baustelle standen schon israelische Militärfahrzeuge mit Kameras. Auf arabisch und hebräisch wurde der Slogan skandiert: „Nein, nein, nieder mit der Mauer“.
Einige Demonstranten stiegen auf einer Leiter über die Stacheldrahtrollen, die Soldaten schossen mit Tränengas und zwangen so die Demonstranten zum Rückzug.
Etwas später flogen die Tränengasbomben auch zu uns, die wir vor dem Zaun standen, und so machte ich meine erste Bekanntschaft mit Tränengas. Wer es nicht kennt: Es brennt in den Augen und man meint, keine Luft mehr zu bekommen. Zum Glück bekam ich von einem „Demo-Profi“ ein Stück Zwiebel, deren Geruch die Wirkung des Tränengases lindert.
Als die Militärfahrzeuge auch auf unsere Seite des Zaunes kamen, wurden Steine geworfen.
Ob von Demonstranten oder von Provokateuren – dies hatte Uri Avneri bei einer früheren Demo beobachtet – konnten wir natürlich nicht feststellen.
Trotz dieser unschönen Szene empfand ich die Demo seitens der Demonstranten zwar laut, aber weitgehend gewaltfrei.
Für unser Abschiedsfest am Abend hatten sich die Mitglieder der Frauengruppe etwas Besonderes ausgedacht: Sie führten eine traditionelle palästinensische Hochzeit vor, mit Brautwerbung durch den Brautvater, Übergabe der Geschenke, Rasieren des Bräutigams, Bemalen der Handflächen der Braut mit Henna und schließlich dem Hochzeitszug. Alles begleitet von Singen, Klatschen, Trommeln und Tanzen der Frauen in ihren wunderschönen gestickten Gewändern.
Ein guter Abschluss der Begegnungsfahrt war der Besuch des Friedensdorfes „Neve Shalom / Wahat al-Salam“, das zwischen Jerusalem und Tel Aviv liegt.
Rayek Rizak, der Bürgermeister, stellte uns das Dorf vor, in dem seit mehr als zwanzig Jahren Juden, Christen und Muslime zusammen wohnen. Zur Zeit leben dort 54 Familien, etwa 90 weitere Familien haben Interesse an einer Mitgliedschaft, wenn die geplante Erweiterung realisiert werden kann.
Gegründet wurde das Dorf von Bruno Hussar, der weniger ein Konzept als eine Vision hatte, nämlich „kommt und lebt zusammen; mit der Zeit finden wir eine Lösung“.
Rayek Rizak erläuterte freimütig die Konflikte, die es im Dorf gibt; bestimmend ist dennoch der Wille, zu zeigen, dass zwei Völker und drei Religionen zusammen leben können.
Bei vielen Entscheidungen wird schon heute nach persönlicher Überzeugung und nicht nach Gruppenzugehörigkeit entschieden und bei der nächsten Generation, so die Hoffnung des Bürgermeisters, wird dies noch viel selbstverständlicher sein.
Für uns war dieser Besuch ein guter Abschluss unserer Fahrt: Zeigt Neve Shalom / Warhat al-Salam doch, dass Friede in diesem Land möglich ist.
Das ist mein letzter Bericht von unserer Begegnungsfahrt. Es wird demnächst eine ausführliche Dokumentation mit Fotos geben, ebenso Dias und eine Powerpoint-Präsentation.
Die TeilnehmerInnen sind auch gerne bereit, in Gruppen, Pfarrgemeinden und bei sonstigen InteressentInnen über die Fahrt zu referieren. Denn, so ein Ergebnis der Auswertung, bei uns wird oft recht einseitig über den Konflikt in Israel-Palästina berichtet. Dass auch die Palästinenser Opfer des Holocaust sind, ist uns nur selten bewusst.
Worüber wir auch erzählen wollen, ist der „spirit of sumud“, die Bereitschaft zum Standhalten, der Geist des „erst recht“, den wir erlebt haben und der uns erstaunt und begeistert hat.
Rosemarie
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