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"Wie leben in einem Freiluftgefängnis" - so kann man das Fazit des heutigen Tages überschreiben: Morgens trafen wir uns mit der Frauengruppe des AEI, etwa 20 Frauen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren, Christinnen und Muslimas. Nach einer Vorstellungsrunde, bei der wir schon viel über die Lebenssituation der Frauen erfahren hatten, kam von unserer Seite die Frage:"Was wollt Ihr, dass wir in Deutschland über Euch berichten?"
Als wäre ein Damm gebrochen, sprudelten die Antworten nur so hervor, z.B.
- "ich arbeite in einem Krankenhaus und wir haben keine Medikamente mehr für die Armen"
- "durch den Schulstreik hängen unsere Kinder schon seit Wochen zuhause oder auf der Strasse herum"
- "Tiere haben ihr Fressen, unsere Landsleute nicht"
- "Wir sind wie eingesperrt, haben sogar Schwierigkeiten, in ein anderes arabisches Land zu reisen"
- "auch wenn wir in Palästina unterwegs sind, wissen wir nie, ob man uns an den Checkpoints durchlässt"
- "Mein Mann ist in einem Krankenhaus in Jerusalem gestorben: ich durfte ihn nicht in Bethlehem beerdigen, und wenn ich sein Grab besuchen will, brauche ich eine Erlaubnis
- "ist das der Preis, den wir für die Demokratie bezahlen müssen?"
- "wie können wir verhindern, dass unsere Kinder auswandern?"
- "sie (die israelischen Soldaten) kommen in unsere Häuser und verdächtigen uns als Terroristen"
Besondere Betroffenheit löste die Frage aus, ob wir überhaupt nachfühlen können, wie es den Menschen an den Checkpoints geht. Wie erinnerten u.a.an die Blockade in Berlin und an die Probleme an der Zonengrenze, mussten aber eingestehen, dass wir uns zwar vorstellen können, was die Menschen fühlen, es aber nicht wissen, weil wir nicht in ihrer Situation sind.
Ebenso wie dieses Treffen berührte uns das Abendessen im Haus von Faten Mukarker, die in Deutschland aufgewachsen ist, nun in Beit Jala - einem Nachbarort von Bethlehem - lebt und Besuchern vor und nach dem Essen von ihrer Lebenssituation berichtet.
Da Faten zur Zeit in Deutschland ist, empfing uns ihre Schwester Khadra, und für das köstliche traditionelle Essen war wie immer Fatens Mann Nikola zuständig.
Eindrücklich berichtete Khadra über die Enge, in der sie aufgrund der Apartheitsmauer und der Reisebeschränkungen leben - über die Schwierigkeit, sogar für eine ärztliche Behandlung in Jerusalem ein Permit zu bekommen - über Nikolas Probleme, wenn er eine für Palästinenser gesperrte Strasse überqueren will, um in seinem Garten zu arbeiten und Über ihren Kampf gegen die Mauer, die durch diesen Garten gebaut werden soll - Über ihr BemÜhen, ihre Kinder vom Steinewerfen abzuhalten - Über das Misstrauen, das ihnen als Palästinensern Überall in der Welt entgegenschlägt und das mangelnde Wissen der meisten Menschen Über die Situation in Palästina - Über ihr Erstaunen, dass ihr armer muslimischer Nachbar auf einmal so viel Geld hat, dass er ihr ihr Haus zu einem Preis Über dem Marktwert abkaufen könnte - Über ihr Unverständnis, weshalb Juden, Christen und Muslime nicht in Frieden miteinander leben können, so wie sie es mehr als tausend Jahre lang taten. Trotz allem hörten wir aus Khadras Worten keinen Hass, sondern vielmehr den tiefen Wunsch nach einem Leben in Freiheit und Würde, zusammen mit jüdischen und muslimischen Nachbarn. Rosemarie
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