Kirche
Katholische Stadtpfarrkirche

SANKT FRANZISKUS MÜNCHEN-GIESING

Patrozinium: 4. Oktober

 

Inhalt:
Geschichte
Künstler
 Richard Steidle
 Vinzenz Mussner
 Hermann Rösner
 Benedict Schmitz
 Michael Veit
Architektur
Ausstattung des Altarraums
Ausstattung des Langhauses
Ausstattung von Vorhalle und Unterkirche
Würdigung
Schrifttum/Photos



Geschichte:

Das 1854 nach München eingemeindete Giesing, die Siedlung der Sippe des Kyeso am rechten Isarufer, zählt zu den ältesten bairischen Niederlassungen. Urkundlich wird es erstmals unter Bischof Atto (783-811) genannt, als der Priester Icho (Ihcho) seinen ererbten Besitz "in loco Kyesinga" der Freisinger

Domkirche schenkte. In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird in "Giesingen" eine der 8 Filialkirchen der Pfarrei Bogenhausen (vgl. Kunstführer Nr. 55) erwähnt. Am 1. Mai 1626 wurde Giesing Filiale der neuen, den Paulanern ubertragenen Pfarrei zum hl. Karl Borromäus in der Au (vgl. Kunstführer Nr. 261). Nach Aufhebung des Paulanerklosters 1799 für einige Jahre Filiale der Pfarrei Maria-Hilf in der Au, wurde der Seelsorgsbezirk Giesing am 30. April (bzw. 11. Okt.) 1809 zur Expositur und durch Reskript vom 30. Dez. 1827 zur selbständigen Pfarrei mit ca. 1700 Seelen erhoben.

Aufgrund des starken Anwachsens der Giesinger Bevölkerung (1895: 13000 Katholiken, 1914: 30 000) wurde auch der am 31. Okt. 1886 eingeweihte Neubau der HI. Kreuz-Kirche (vgl. Kunstführer Nr. 270) bald zu klein. Dies veranlaßte 1913 Geistl. Rat Josef Wagner zur Gründung eines Kirchenbauvereins fur Untergiesing. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde 1914 der Umbau von bereits eingekauften Teilen der alten Münchner Schrannenhalle zu einer Notkirche verhindert. Im Frühjahr 1919 konnte man dann endlich um 12000 M eine Baracke aus dem Kriegsgefangenenlager Puchheim erwerben und nach Umbauplanen von Architekt Franz X. Boemmel auf dem kleinen Grundstuck an der Hans-Mielich-StraBe Nr. 4 errichten (Lange 32 m, Breite 10 m, Hohe 4,5 m). Katechet Victor Keller (gest. 1954 als Pfarrer von Wenigmünchen) war dabei die treibende Kraft. Am 8. Febr. 1920 erfolgte die Weihe der Notkirche durch Michael Kardinal von Faulhaber. Wenige Wochen später, am 15. März 1920, wurde ein eigener Seelsorgsbezirk St. Franziskus in Untergiesing gebildet, der sich noch heute im Osten bis zum Mühlbach, im Süden bis zum Tierpark, im Westen bis zur Isar und im Norden bis zum Schyrenbad und zur Wittelsbacher Brücke erstreckt; zum Kuraten wurde der bisherige Katechet und Benefiziat am Münchner Dom, Thomas Stadler, bestellt.

Bereits im nachsten Jahr, am 21. Dez. 1921, genehmigte das Ministerium für Unterricht und Kultus die Erhebung der Kuratie St. Franziskus zur Pfarrei; die kanonische Errichtung erfolgte am 22. Febr. 1922; am 17. März d. J. wurde Kurat Stadler zum Pfarrer ernannt (Installation am 23. April). Noch im Oktober 1922 ermöglichten die Stiftung des amerikanischen Priesters Karl Reichlin und das Entgegenkommen der Voreigentümer Dr. Otto und Ludwig Kahn den Erwerb eines neuen Bauplatzes Ecke Hans-Mielich/Konradinstraße. 1924 fertigte hierfür Architekt Richard Steidle Entwürfe zu einer zweitürmigen neubarocken Kirche, die dann nach einigen Abänderungen die Genehmigung der zuständigen Behörden fanden. Am 6. April 1925 erfolgte der 1. Spatenstich zum Kirchenbau, am 10. Mai die feierliche Grundsteinlegung. Mit der Bauleitung war zunächst Architekt Hollerung, ab November 1925 Stadtbaumeister Wolff beauftragt; die Ausführung lag in Händen der Baufirma Heilmann & Littmann, München. Bereits am 29. Sept. 1925 war Hebeweinfeier, der Rohbau war fertiggestellt.

Über Winter wurde das hölzerne Tonnengewölbe eingezogen. Am 3. Okt. 1926, dem 700-Todestag des hl. Franz von Assisi, wurde das neue Gotteshaus von Michael Kardinal von Faulhaber und Weihbischof Michael Buchberger konsekriert. Die nicht mehr benötigte Notkirche diente ab 1928 der Kuratie (ab 1945 Pfarrei) "Zu den hll. Zwolf Aposteln" in München-Laim als Betraum und kam von dort 1954 als Pfarrheim nach Lochham. An der Stelle der Notkirche entstand in Untergiesing 1967-69 das St.-Franziskus-Heim mit Kindergarten, Altenheim und Schwesternwohnungen.

Bereits bei den ersten schweren Luftangriffen auf München wurde die St.-Franziskus-Kirche am 3./7. Sept. 1943 getroffen und brannte bis auf die Umfassungsmauern aus. Dabei wurden zum Großteil die Ausstattungsstücke der Erbauungszeit (so etwa das Hochaltarblatt von Xaver Dietrich, der von Prof. A. Ranzinger entworfene Kreuzweg, Statuen der Bildhauer Heinrich Salomoun, Franz Hoser und Ludwig Schmid, Kanzel und Kommunionbank von Stukkatör Karl Schier oder die Orgel von Hans Eisenschmid), aber auch alte Kunstwerke (das Lazarusbild des Rembrandt-Schülers Jakob de Wet, ein Tabernakel Ignaz Günthers und zwei Joh. Bapt. Straub zugeschriebene Heiligenbüsten) zerstört. Nachdem man sich fur einige Jahre mit einem provisorischen Betraum auf dem Platz der alten Notkirche begnügen mußte, konnte die Gemeinde am Palmsonntag 1949 erstmals wieder in die notdürfig hergerichtete Pfarrkirche einziehen. Bis 1951 erfolgte die Wiederherstellung des Baues in einfacheren Formen: Anstelle des ursprünglichen Gewölbes wurde im Langhaus eine Flachdecke eingezogen; Reste der Stuckierung wurden abgeschlagen. Die jüngste Renovierung (Leitung der Innenrenovierung: Arch. Hans Schedl, der Außenrenovierung: Arch. Dr. Christoph Hackelsberger, beide München) und die hervorragende moderne Ausgestaltung des Innenraums unter Pfarrer Johann Warmedinger fanden mit der Altarweihe durch Regional-Bischof Ernst Tewes am 24. Juli 1983 ihr Ende.

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Künstler:

Richard Steidle, Dipl.-Ing. u. Architekt in München (geb. 6. 10. 1881 in Illertissen, gest. 9.9.1958 in Dießen am Ammersee), fertigte 1924 die Entwürfe zum Kirchenbau (Mitarbeiter: Architekt Simbeck); weitere (teilweise nicht mehr erhaltene) Kirchen in München: St. Achaz (1928), Allerseelen (1929), HI, Familie(1931), St. Franz Xaver (1936); außerdem u. a. Erbauer der Kirchen in Tutzing, Schwabhausen, Frauenzeil bei Kempten (Fassade), Rodalben i. d. Pfalz, Garching a. d. Alz, Furstatt bei Rosenheim und des Deutschen Krankenhauses in Porto Alegre/Brasilien.

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Vinzenz Mussner, Bildhauer in St. Ulrich/Grödnertal (geb. 1903 in St. Ulrich, Sohn des Bildhauers Jakob Mussner; Ausbildung bei seinem Vater und bei Prof. Ludwig Moroder): Holzstatue des hl. Franziskus von Assisi 1950; Beteiligung an Ausstellungen u. a. in Rom, Bari, Neapel, Mailand und München, Werke u. a. in Bozen, Rom, Bologna, Turin, Krishnagur/lndien und den USA; 1969 Ernennung zum "Cavaliere" durch den Präsidenten der Republik Italien.

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Hermann Rösner, Bildhauer in München (geb. 1909 in Johnsdorf/Nordmanren), schuf in den 5Oer Jahren das monumentale Triumphkreuz und die Holzstatuen der hll. Petrus, Paulus, Elisabeth, Josef (mit dem Jesusknaben) und Antonius von Padua sowie der Erzengel Michael und Gabriel, die Herz-Jesu- und die Marienstatue und die Pieta der Kriegergedächtniskapelle; weitere Werke in München z. B. in der Klosterkirche St. Anna, in St. Peter, im St.-Josefs-Kinderheim oder im Kreszentia-Stift, aber etwa auch in der Basilika von Kreuzlingen/Schweiz.

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Benedict Schmitz, Salesianer in Ingolstadt (geb. 1935, seit 1953 Mitglied der Kongregation der Oblaten des hl. Franz von Sales, Autodidakt), entwarf das Altarwandmosaik von 1983 (Ausführung: Bildhauer Georg Poschner, Franz Mayer'sche Hofkunstanstalt München); weitere Mosaikarbeiten u. a. in St. Vinzenz/Klettham (bei Erding}, Verklärung Christi/München, St. Franz von Sales/Wien und St. Margaretha/Reichertshofen (bei Ingolstadt).

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Michael Veit, Bildhauer in München (geb. 1941 in Lindau im Bodensee, Sohn des Bildhauers Willi Veit), schuf 1982/83 Altar, Ambo, Tabernakel und (früher schon) Osterleuchter und Taufstein; weitere Werke in Bronze und Stein u. a. für St. Josef/Lindau-Reutin, St. Johann/Lindau-Bodolz, St. Anna u. sel. Bernhard/Otten- höfen, St. Peter u. Paul/Olching (Pfarrheim) sowie in München für mehrere Profanbauten (z. B. die Volksschule am Echardinger Grünstreifen).

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Architektur:

An der Ecke Hans-Mielich-/Konradinstraße erhebt sich der Kubus der schon am Außenbau deutlich neubarocken Kirche, die aus städtebaulichen Grün den gewestet ist und sich so in etwa zur Mutterkirche Hl. Kreuz hin öffnet. Die seitlich leicht vorspringende Zweiturmfassade erinnert mit ihrem dreiachsigen, dreigeschossigen, konvexen Mittelbau und ihren Kuppelhauben an Schauseiten von Kirchen der Vorarlberger Barockbaumeister (etwa Weingarten oder Einsiedeln) bzw. Joh, Mich. Fischers (Ottobeuren, Berg am Laim), wenn auch die Formensprache trockener und die barocke Dynamik erstarrt ist. Dieser Eindruck wurde durch den vereinfachenden Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung noch verstärkt, da man damals im Giebelfeld die seitlichen Voluten wegließ und die Mittelnische durch ein Rundfenster ersetzte.

Flankentürme und Fassadenmittelteil werden durch den hohen Sockel und das kräftige Gesims über dem Hauptgeschoß verklammert; die toskanische Ordnung des Mittelbaus wird in den Lisenen der Turm Untergeschosse fortgeführt; dem geschwungenen, in einem Segmentgiebel endenden Giebelfeld des Fassadenmittelteils entspricht an den Türmen das niedrige Zwischengeschoß, über dem das (durch die Abschrägung der Ecken) achteckige Glockengeschoß mit seinen großen rundbogigen Schallöffnungen frei aufragt. Die vertikale Bewegung des aufsteigenden Mittelbau-Giebels ist unten im hohen, gleich dem Chorbogen gekehlten Hauptportal vorbereitet, das die Sockelzone aufreißt und ins Hauptgeschoß vorstößt, das zusätzlich durch drei hohe Stichbogenfenster bereichert wird.

An den Flanken der Kirche und am eingezogenen, niedrigeren, rund geschlossenen Chor ist die Gliederung des Fassadenhauptgeschosses in vereinfachter Form weitergeführt, wobei auch hier Fensterrahmungen und Wandgliederung durch einen beigen Farbton vom helleren Mauergrund abgehoben sind (ursprüngliche Planung: Architekturglieder kalkweiß, Mauerflächen zartrosa!). Zwei architektonisch gerahmte Portale (das östliche heute zugesetzt) schmücken zusätzlich die Nordseite des Langhauses. Schließt sich südlich an die Fassade das zweigeschossige Pfarrhaus an, so an den Chor der Sakristeibau.

Betritt man die Kirche durch das Hauptportal, gelangt man zunächst in einen niedrigen, dämmerigen, quergestreckten Vorraum, der sich rechts in die Kriegergedächtniskapelle im Untergeschoß des Nordturms öffnet und über dem die Orgelempore liegt. Durch einen der drei Arkadenbögen schreitend, wird man von dem hohen, wohlproportionierten, lichtdurchfluteten Wandpfeilersaal des Langhauses überrascht, der in sechs Jochen gleichmäßig zum (über einer Unterkirche) um heute neun Stufen erhöhten, gewölbten Chor führt. Obwohl nach der Zerstörung nur mit einer flachen Kassettendecke anstelle der ursprünglichen (Holz-)Tonne versehen und an den Wandpfeilern der Gesimse und Kapitelle beraubt, läßt der Raum noch erahnen, daß er wie die Kirchenbauten der Vorarlberger Barockbaumeister oder teilweise auch Joh. Mich. Fischers - dem "Schöpfungsbau" der Münchner Michaelskirche verpflichtet ist, wenn auch hier wiederum - wie wir schon an dar Fassade feststellen konnten - die barocke Dynamik einem gleichförmigen spannungslosen Rhythmus gewichen ist, der etwa auch nicht durch die Zäsur eines Querschiffs oder eine wechselnde Lichtführung unterbrochen wird.

Einzig am gekehlten Chorbogen scheint die Lebendigkeit bayerischer Barockkirchen auf. Die hohen, von zwei übereinanderliegenden Fenstern erhellten und von Tonnen überwölbten Seitennischen des Langhauses (die teils als Kapellenräume dienen, teils Beichtstühle aufnehmen) werden im Chor zu unräumlicher Wandgliederung reduziert, so daß die Apsis innen fast polygonal erscheint. Maße: Gesamtlänge 62 m (Vorhalle 9 m, Langhaus 395 m, Chor 12 m), größte Breite 23 m (Schiffbreite 16,12 m, Chorbreite 11,40 m), lichte Höhe fast 19 m; Turmhöhe bis zum Kreuz 52 m; Unterkirche: Länge 18,5 m, Breite 13 m, Höhe 4,60 m.

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Ausstattung des Altarraums:

Jede Kirche ist auf den Altar hin orientiert. In St. Franziskus wird der Altarbereich durch das Wandmosaik, das die Stelle des im Krieg zerstörten, neubarocken Hochaltarretabels einnimmt, zum Blickpunkt der Kirchenbesucher. Dieses Mosaik wurde 1983 von Georg Poschner in der Franz Mayer'schen Hofkunstanstalt nach Entwürfen von Benedict Schmitz aus rund 30000 Natursteinen unterschiedlicher Farbe, Tiefe und Oberflächenstruktur zusammengesetzt. Unter Einbeziehung der Tabernakelstele von Michael Veit (1983) und des monumentalen, ungefaßten Holzkruzifixes von Hermann Rösner (1952) will es - in einer ähnlichen Komposition wie beim Altarwandmosaik von Schmitz in Reichertshofen bei Ingolstadt - in drei gleichwertig übereinander angeordneten, jeweils kreisförmig in sich geschlossenen, jedoch miteinander zu einer Einheit verbundenen Zonen einige Grundzüge vom Geheimnis des dreieinigen Gottes veranschaulichen.

 

Benedict Schmitz interpretiert sein Werk folgendermaßen: "Der oberste der drei Bereiche verweist auf Gott, den Vater. Wie entrückt steht der Kreis über dem Geschehen des Altarraumes. In ihm hat die Gestaltung ihren Ursprung, seine Form gibt den Grundakkord für alle sich ereignende Bewegung. Immer wieder wird sich von hier aus der Kreis - das Zeichen für Vollkommenheit und Vollendung - auszuprägen suchen. So soll auf die ursprunggebende und umgreifende Macht des Vaters verwiesen werden, die aber nicht in sich und für sich verbleibt, sondern sich entfaltet in einer Tat des Sichhingebens, des Dialogs, des Ausströmens (J. Ratzinger). Im Kreis entspringt, beginnt eine leuchtende Bahn, die sich fortbewegt in einen nächsten Kreis. Dieser entsteht gleichsam aus der Öffnung des ersten, nimmt die Bewegung des ersten Kreises auf - formuliert sie neu.

Der mittlere Teil des Mosaiks verweist auf Jesus Christus, ‚in dem der Unberührbare berührbar wird und der Ferne uns nahe kommt' (J. Ratzinger). Der Vorgang der Kreuzigung enthüllt die ‚Ausleerung Gottes' in seinem Sohn. dem ,Wort', das vom Vater her auf uns zugesprochen ist (Phil 2,5-11). Zugleich ist das Kreuzesgeschehen ein Vorgang der Öffnung. Darauf will auch der aufspringende Kreis hinweisen - wie der reife Granatapfel sich öffnet. Ebenso ist an das Zerreißen des Tempelvorhanges gedacht (Lk 23,45). Etwas ganz Neues ereignet sich: Gott kommt nicht nur In unsere Nähe, er macht sich unser Sein so zu eigen, daß wir dadurch verwandelt werden. Er erleidet unseren Tod und wird so zum zweiten Adam - mit ihm beginnt die Neue Schöpfung.

 

Das Christusereignis findet seinerseits eine Fortsetzung im Sammeln aller Glaubenden zu einer Gemeinschaft, in der Mitteilung des Heiligen Geistes. So er- scheint im untersten Kreis des Mosaiks die Kirche als Wirkstätte des Geistes, als Gabe, die Unfruchtbares in ein neues Leben wandelt. Für diese Wandlung ist das Sakrament ein Zeichen. Der Heilige Geist hält Jesus unter uns gegenwärtig, und wir werden verwiesen auf die immerwährende Anwesenheit im Brot der Eucharistie. In diesem dritten Bereich des Bildes wird gegenläufig auch eine Bewegung von unten nach oben sichtbar. Neues Leben entsteht im Bannkreis des Heiligen Geistes; auf das Wirken Gottes antwortet die Schöpfung. Die von Gott eröffnete Bahn ist nun auch vom Menschen begehbar. Indem wir uns in die Kirche eingliedern lassen, werden wir ein Teil des Leibes Christi - und nähern uns damit der Quelle allen Lebens, in der das ‚Drama Menschwerdung' seine Erfüllung findet."

Das aus der Ferne fast monochrom und graphisch wirkende Wandmosaik (die dominierenden Farbtöne sind Gold, Ocker, Grün, Grau und Blau) steigert sich in seiner Helligkeit von unten nach oben. Wie ein holzfarbener Schatten zeichnet sich das Triumphkreuz im Mosaik ab und verbindet alle Bereiche, Himmel und Erde. Das Corpus Christi scheint in der dunklen Fläche des Mittelkreises ausgespart wie auf einem Negativ.

In künstlerischer Qualität und theologischer Aussage ebenbürtig sind dem Wandmosaik im Altarraum die Bronzearbeiten von Michael Veit, 1982/83: Altar, Tabernakel, Ambo und Bronzeleuchter. Die Stirnseite des Altars zeigt in flachem Relief Christus und die beiden Jünger in Emmaus (Hinweis auf die Eucharistiefeier), die Rückseite die verhinderte Opferung Isaaks durch Abraham (Hinweis auf den Opfertod Christi); an den Schmalseiten des Altars symbolisieren Sonne und Mond, daß der ganze Kosmos und die Zeitläufte in das Erlösungswerk Christi einbesogen sind. Pilasierartige, rebenumrankle Eckpfosten verleihen dem Altar das Aussehen eines Bronzeschreins von klassischer Strenge und Schönheit. Die Altarplatte ist ein Stück der Mensa des ehem. Hochaltars.

An mittelalterliche Werke erinnert der auf einer Steinstele ruhende Tabernakel, der gemäß dem Wortsinn die kubische Form eines Zeltes hat. Das Bronzerelief der Türe skizziert das Paschamahl: Die Hüften gegürtet, die Schuhe an den Füßen und den Stab in den Händen, essen vier Männer und drei Frauen stehend das fehlerlose, einjährige Lamm und das ungesäuerte Brot, während auf dem seitlichen Relief der Würgeengel alle Erstgeburten der Ägypter tötet, an den Häusern der Israeliten aber vorübergehl. Dieser Szene gegenüber ist die Mannalese zu sehen sindd auf der Rückseite des Tabernakels ein Fisch, aufgrund des altgriechischen Namens Symbol für Christus. Bezogen sich diese Bronzedarstellungen alle auf die Eucharistiefeier, so verweist der Ambo auf den anderen Hauptteil der Messe, den Wortgottesdienst: Die Front ziert die Taube des Hl. Geistes, durch dessen Wirken die vier Evangelien entstehen konnten, deren Anfänge darunter in lateinischer Sprache zitiert werden.

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Ausstattung des Langhauses:

Den Chorbogen flankieren zwei ungefaßte Holzstatuen: links des predigenden Kirchenpatrons St. Franziskus von Assisi von Vinzenz Mussner (aus dem Holz einer Edelkastanie, 1950), rechts der jungfräulichen Maria (ohne Kind) von Hermann Rösner. Von diesem Bildhauer stammen auch die Herz-Jesu-Statue (1953) und die Holzgruppe des hl. Josef als Zimmermann mit dem helfenden Jesusknaben (1954), der einen vereinfachten Grundriß der Kirche hält, auf den beiden rechten Seitenaltären sowie die Figuren der Apostelfürsten Petrus (mit Schlüssel) und Paulus (mit Schwert) und der hl. Elisabeth von Thüringen (mit Rosen) auf den beiden linken Seitenaltären, aber auch die beiden Erzengel Michael (als Satansbezwinger) und Gabriel (als Verkündigungsengel) an den Pfeilern der Orgelempore.

Farbige Akzente setzen die 14 Kreuzwegstationen in Originalrahmen, volkstümlich-drastische Gemälde von 1745 aus der Kirche von Großhelfendorf, an den Stirnseiten der Wandpfeiler und das große, 1777 datierte ehem. Rokoko-Altarblatt in der letzten linken Kapelle, das die Vision des hl. Johannes von Gott darstellt und hierher über Aufkirchen am Starnberger See aus dem 1808 versteigerten Inventar der einst an der Stelle der heutigen Medizinischen Klinik stehenden Sankt Max-Klosterkircne der Barmherzigen Brüder in München kommt. Es ersetzt seit 1983 ein Verkündigungs-Bild von Joachim von Sandrart (1646), das jetzt- als Eigentum des Münchner Doms - im Diözesan-Museum Freising zu sehen ist.

Der von Prof. Dr. Erwin Schleich, München, entworfene fünfteilige Orgelprospekt birgt ein Werk (1951/63) der Fa. Carl Schuster & Sohn, München, bestehend aus 52 Registern, verteilt auf 3 Manuale und ein Pedal. Erwähnt sei noch der kelchförmige Taufstein mit Bronzedeckel von Michael Veit in der zweiten Kapelle vorne links.

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Ausstattung von Vorhalle und Unterkirche:

In der Südwestecke des Vorraums zieht eine wohl im 18. Jh. entstandene Kopie des Passauer bzw. Innsbrucker Gnadenbildes Maria Hilf (von Lukas Cranach) in schön geschwungenem Rahmen den Blick auf sich; sie stammt aus dem Besitz der Niederbronner Schwestern. Das Gegenstück dazu bildet die ungefaßte Holzstatue des hl. Antonius von Padua mit dem Jesuskind am Arm, ein Werk von Hermann Rösner 1953. Gleichzeitig schuf dieser Künstler für die nördlich anschließende Kriegergedächtniskapelle eine Holzpietà von ungewöhnlicher Komposition: Die auf die Knie gesunkene Muttergottes hat ihren toten Sohn auf dem Sockel abgesetzt, so daß dieser in aufrechter Haltung frontal die Mittelachse der Gruppe einnimmt und den Menschen - wie beim Typus des Gnadenstuhls - als Zeichen der Erlösung und des Trostes vorgehalten wird.

Einst in der Vorhalle, nun aber an den Seitenwänden der Unterkirche angebracht sind die bei den modern gefaßten, frühbarocken Statuen der hll. Laurentius und Korbinian (frühes 17. Jh.)aus der Schloßkapelle Wildenholzen bei Grafing. Die Immaculata des 18, Jh. kommt aus einem Bauernhaus bei Teisendorf im Chiemgau. Die Altarwand zieren drei gleich große Gemälde wohl des frühen 17.Jh. unbekannter Herkunft: von links nach rechts Grablegung und Kreuzigung Christi sowie Kreuzauftindung durch die hl. Kaiserin Helena.

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Würdigung:

Der neubarocke Bau von St. Franziskus, der trotz seiner beachtlichen Dimensionen die Umgebung nicht zu beherrschen versucht, sondern der sich ihr einfügt, ist ein Zeugnis des wiedererwachen den Katholizismus nach dem Ersten Weltkrieg. Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden - entsprechend den damaligen Tendenzen - das ursprüngliche Tonnengewölbe des Langhauses und die neubarocke Ausstattung samt dem Stuckdekor nicht mehr wiederhergestellt. Durch die jüngste

Neugestaltung des Altarraums unter Pfr. Johannes Warmedinger wurden jedoch die Sterilität und Nüchternheit der 50er Jahre rückgängig gemacht; das Gotteshaus erhielt auch optisch wieder ein Ziel und ein theologisch fundiertes Bildprogramm - eine Tendenzwende, die Schule machen sollte.

 

Lothar Altmann

 

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Photos:

S. 1 Johann Linkmann, München;
alle anderen Aufnahmen Wolf-Christian v. der Mülbe, München/Dachau

Schrifttum:

Erinnerungsblätter der Pfarrgemeinde St. Franziskus in München-Untergiesing zur Konsekration der St. Franziskus-Jubiläumskirche, München 1926. - Th. Stadler/ Hg. Schnell, St. Franziskus/München (Schnell, Kunstführer Nr. 52), München 1934. - R, Hofmann, Kirchenbauten von Architekt Richard Steidle, München, in: Die christliche Kunst 21, 924/25, S. 268-276. - K. Grüner, Beim Stein fasziniert die Kraft der Natur. In München St. Franziskus wurde eine große Mosaikwand fertiggestellt, in: MKKZ vom 24. 7. 1993, S. 12/13.

 

Schnell, Kunstführer Nr. 52 (1934) 2., völlig neu bearbeitete Auflage 1984

 

Diese Reihe "Kleine Kunstführer" durch Kirchen, Schlösser und Sammlungen im mitteleuropäischen Kulturraum kann beim Verlag abonniert werden. Begründet von Dr. Hugo Schnell und Dr. Johannes Steiner, Herausgeber Dr. Paul Mai Verlegerische Betreuung Josef Fink.

 

VERLAG SCHNELL & STEINER GMBH & CO MÜNCHEN UND ZÜRICH

 

D-8000 München 65, Postf. 112 - Druck: Erhardi Druck GmbH Regensburg

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